Litauen

Apartment Bazillion

STANDORT
Vilnius, Litauen
ARCHITEKT
YCL studio
JAHR
2016
PRODUKTE
Sonderfertigung

Bazillion

Zwei Bereiche, die jeweils eine ganz eigene Raumatmosphäre haben 

Im Bazillion Apartment, einer Zweitwohnung für zwei Personen, hat YCL Studio eine klare Linie zwischen Tag- und Nachtbereich gezogen, während gleichzeitig die konventionelle Trennung von Nass- und Trockenbereich verschwimmt. Das kompakte, 45 Quadratmeter große Apartment besteht im Wesentlichen aus einem offenen Raum, den eine geflieste Wand unterteilt. Die Wohnung befindet sich in einem neuen Wohngebäude in der Altstadt von Vilnius und wird vom viel reisenden Auftraggeber für Kurzaufenthalte in der litauischen Hauptstadt genutzt.

Für die Innengestaltung zeichnet YCL Studio verantwortlich, ein junges Architekturbüro aus Vilnius, das von den Architekten Tomas Umbrasas, Aidas Barzda und Tautvydas Vileikis sowie Grafikdesigner Rokas Kontvainis geleitet wird. Sie beschreiben ihr 2011 gegründetes Büro als architektonisches Gemeinschaftsunternehmen, das „im Bereich Architektur, Innengestaltung, Planung, Stadtraumgestaltung, Landschaftsdesign und Forschung tätig ist“. Und zählen sich zur „neuen Generation von litauischen Architekten“, die „ihre internationale Erfahrung nutzen, um die lokale Architektur zu bereichern und zu stärken und ihr über die Grenzen Litauens hinaus zu Ruhm zu verhelfen“. Das mittlerweile international bekannte Apartment ist für Aidas Barzda das gelungene Ergebnis der Arbeit für einen aufgeschlossenen und verständnisvollen Kunden und der Kooperation mit engagierten Lieferanten und Bauunternehmen. In Bezug auf die Größenordnung, in der YCL Studio sonst tätig ist, zählt diese Innengestaltung definitiv zu den eher kleinen Aufträgen.

Beim Bazillion Apartment haben die Designer von YCL den verfügbaren Raum mit einer intelligenten Lösung genutzt und aufgeteilt: Eine schräg verlaufende Wand trennt den Raum in zwei gleich große Bereiche, zum einen Wohnbereich und Küche, zum anderen Schlafbereich und Bad. Ersterer ist kühl und leicht, letzterer warm und massiv. Der kühle Teil hat einen weißen Holzfußboden, eine weiße Decke und weiße Wände, während der Boden und die Wände des warmen Teils mit Fliesen in drei Schattierungen eines erdig rotbraunen Farbtons ausgekleidet sind. Die Fliesen stammen aus der Goldline Serie von AGROB BUCHTAL. Die Betondecke dieses Bereichs ist in einem Terracotta-Farbton gestrichen, der dem der Fliesen ähnelt.

Die Verbindung zwischen den beiden kontrastierenden Innenbereichen schaffen schwarze, weiße und graue Möbel. Die Abwesenheit von anderen Farben als Terracotta hat eine starke Wirkung und vermittelt den etwas ungewöhnlichen Eindruck, sich in einem teilweise farbigen Schwarz-Weiß-Film zu befinden. Eine vergleichbare monochromatische Farbstrategie hat YCL bereits in mehreren Projekten eingesetzt. Bei der VINTED Bürogestaltung setzten die Architekten beispielsweise ebenfalls auf Möbel in Schwarz, Weiß und Grau, wobei ein Bereich in Grau, einer in Grün und ein anderer in Gelb gehalten wurde, mit einem Eingangsbereich in Violett.

Bei der Innengestaltung des Apartments haben die Architekten zahlreiche Möglichkeiten erkundet, um die beiden Bereiche bestmöglich voneinander abzugrenzen, und dabei unterschiedliche Material- und Farbkontraste ausprobiert. „Wir haben uns vorgestellt, dass der Tag hell ist, voller Licht, Gespräche, Freunde und Essen, während die Nacht nach einem privaten, sicheren und gemütlichen Ort verlangt, der leicht dunkel und verschlafen ist“, erklärt Barzda. „Um diesen Gegensatz auszudrücken, entschieden wir uns, eine klare Linie zu ziehen.“ Diese unterschiedlichen Stimmungen in einem relativ begrenzten Raum umzusetzen, war die Maßgabe und hat sämtliche Designentscheidungen beeinflusst. Nichts sollte die Aufmerksamkeit ablenken. Für sie als Architekten und auch für den Kunden, dem die Idee sehr gut gefiel, sollte das Apartment einen starken und unkonventionellen Charakter bekommen, so Barzda.

Der von ihnen gewählte Kontrast von weißem Holz mit terracottafarbener Keramik ist nicht nur an sich bereits sehr stark, sondern beinhaltet zudem eine faszinierende Umkehrung. Die konventionelle Aufteilung von Apartments richtet sich nach dem Vorhandensein bzw. Nichtvorhandensein von fließendem Wasser. Normalerweise werden Küche, Bad und Toilette zusammen gruppiert und häufig als eine Einheit betrachtet. In diesem Fall hier wurde das Material der Wahl für den „nassen“ Bereich in der Küche jedoch nicht verwendet, wohingegen das Schlafzimmer mit Fliesen ausgekleidet ist.

Aus Barzdas Sicht gab es mehrere Gründe, sich für diese Fliesen zu entscheiden: „Wir wollten ein natürliches Material, das den ‚Raum füllen‘ kann und ein Gefühl von Dauerhaftigkeit vermittelt.“ Die Farbe Terrakotta erinnert dabei an die roten Backsteinbauwerke der Altstadt. Zudem waren die Designer der Auffassung, dass Keramik die gewünschte ruhige Atmosphäre schaffen würde. Am wichtigsten jedoch für den Erfolg dieser Innengestaltung sind die Befreiung der Fliese aus ihrer gewohnten, eingeschränkten Rolle und ihre Verwendung im Vordergrund und Zentrum des Raums. So unterstreicht das Bazillion Apartment auf überzeugende Weise die Vielseitigkeit von keramischen Produkten.

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Fotograf: Leonas Garbačauskas