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Kreislauffähige Keramikfliese - wie aus Möglichkeit Wirklichkeit wird

Gebrauchtes wieder zu nutzen, ist keine romantische Attitüde einer jüngeren Generation. Die gelebte Tradition alter Baumeister ist heute Paradigma, wenn die Klimawende gelingen soll. Doch nach dem Abriss werden die meisten Materialien nur als Baustoff von geringerer Güte recycelt. Bislang galt das auch für Keramikfliesen. Mit DryTile gelingt ein großer Schritt auf dem Weg zur Zirkularität.

Kreislaufwirtschaft ist ein alter Brauch. Recycling und Wiederverwerten sind nicht neu: schon bei den Baumeistern von Karl dem Großen war dies gängige Praxis. Für den Aachener Dom ließen sie Steinquader von römischen Bauten in der Eifel, Lothringen und der näheren Umgebung abtragen. Unter größten Anstrengungen wurden die Steine nach Aachen transportiert und im Dom verbaut (Quelle: bvse). Was vor 1.200 Jahren funktionierte, sollte es auch heute. Nur so lassen sich 200 Mio. Tonnen Bauschutt jährlich vermeiden und Primärrohstoffe schonen.

Ohne Kleber geht es los. Der re:use-Ansatz ist bei vielen fest verbauten Materialien eben nicht möglich. Das trifft auch auf Keramikfliesen zu. Beim Versuch des Rückbaus entsteht Bruch, der nur noch recycelt werden kann. Agrob Buchtal hat als Innovation ein System zur Trockenverlegung von Bodenfliesen entwickelt, das ohne Kleber auskommt. Das ist umweltfreundlich und funktioniert acht Mal schneller als herkömmliche Verfahren. Und beim Abriss lassen sich die Fliesen unbeschädigt rückbauen.

Clever: Korkschicht statt Mörtelbett. Auf der Rückseite der Keramikfliese wird ein Korkgemisch auf polyolefiner Basis aufgebracht. Durch das Eigengewicht der DryTile-Fliesen haftet die Schicht am Untergrund und saugt sich fest. Das bedeutet: kein Mörtelbett, kein Kleber, keine Grundierung. Dadurch, dass der Kork am Fliesenrand minimal übersteht, ergibt sich ein präzises Fugenbild. Für Stabilität und eine geschlossene Oberfläche sorgt eine spezielle Fugenmasse. Sollen Fliesen wieder entfernt werden, schneidet man die Fugen einfach auf und entnimmt sie mit einem Saugheber. Die Trockenverlegung mit DryTile kommt auch als Kooperationsprojekt im Zusammenspiel mit einem Hohlbodensystem zum Einsatz. Die gesamte Konstruktion ist zügig aufgebaut und lässt sich bei Bedarf vollständig demontieren und wieder aufbauen.

Sind Keramikfliesen kreislauffähig? Laut Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) sollen Bauwerke dauerhaft, ihre einzelnen Bestandteile wiederverwendbar oder recyclingfähig sein. In einer 5-stufigen Abfallhierarchie wurde festgelegt, worauf es dabei ankommt:

  1. Vermeidung von Abfällen durch Erhalt und Revitalisierung alter Gebäude
  2. Wiederverwendung und Weiternutzung von Bauteilen
  3. Recycling
  4. sonstige Verwertung wie Verbrennung zum Gewinn von Wärme und Strom
  5. Entsorgung/Deponie

DryTile kann hier signifikant punkten. Die keramische Fliese zur Trockenverlegung ermöglicht den Einbau eines hochwertigen Bodens mit allen Vorteilen der Keramik. Robust und langlebig, behält DryTile auch nach Jahrzehnten seine Ausstrahlung und Farbkraft. Das belastbare und nahezu verschleißfreie System ist einfach rückbau- und sortenrein trennbar. So revolutioniert Drytile Ceramics den Boden, unterstützt die Kernziele der re:use-Initiative und bietet für nachhaltige Gebäudeentwürfe und den Willen zur Sanierung von Bestandsarchitektur eine echte Innovation.

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Wir sind uns der Dringlichkeit nachhaltigen Bauens bewusst. Deshalb sind wir Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Gleichzeitig setzen wir alles daran, die Auswirkungen unserer Produktion auf Umwelt und Klima zu reduzieren. Dazu gehören die Verbesserung interner Prozesse sowie Forschung und Entwicklung neuer Produkte.

– Daniel Schreiner, Leiter Produktmanagement und Designentwicklung der Deutsche Steinzeug-Marken und Geschäftsführer der Drytile Ceramics GmbH.

Sollte der Drytile-Boden doch entsorgt werden müssen, dann als unbedenklicher mineralischer Bauschutt. Das System ist Gewinner des Green Product Award 2020.