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Rafael Viñoly war fest davon überzeugt, dass technologische Innovationen für den Fortschritt in der Architektur große Bedeutung haben. Für ihn war es jedoch auch klar, dass sie nicht zwingend mit der Verwendung neuer Materialien einhergehen müssen. Manchmal ist ein so altbewährtes Produkt wie Mosaikfliesen aus Keramik für innovative Architektur genau das Richtige. Hierfür ist die Erweiterung des Brooklyn Children’s Museum, ein vom New Yorker Architekturbüro Viñoly in 2008 konzipiertes Projekt, ein wunderbares Beispiel. Das sehr nachhaltige Gebäude besticht durch seine Keramikoberfläche, die noch genauso frisch aussieht wie kurz nach ihrer Fertigstellung.
Die Erweiterung des Museums durch Rafael Viñoly (1944 in Montevideo, Uruguay geboren) umfasst 9.000 m² Museumsfläche, beinahe 2.000 m² Dachterrasse und weitere 1.000 m² Gartenfläche. 2015 wurde die Dachterrasse durch den Entwurf von Future Green Studio und Toshiko Mori erweitert. So können auch Outdooraktivitäten und Events unter dem 3-Jahreszeiten-Freiluftbaldachin - wie Mori ihr Werk bezeichnet - stattfinden. Das Gebäude blieb ansonsten unverändert und nach wie vor an Ästhetik nichts eingebüßt.
Viñoly (verstorben im März 2023) war sehr stolz darauf, dass das Gebäude lange das einzige LEED-zertifizierte grüne Museum war. Die LEED- Zertifizierung hat zwar auch sehr viel mit dem geringen Energieverbrauch des Museums zu tun, die beständige Außenfassade ist jedoch ebenfalls ein wichtiger Faktor für diesen Nachhaltigkeitsstandard. Keramik ist haltbar und wartungsfrei und die Zeit geht spurlos an ihr vorbei. Hierfür ist das Children’s Museum das beste Beispiel.
Die leicht bauchige Form der Fassade des oberen Teils des Museums ist in leuchtend gelben Fliesen vom Architekturkeramik-Spezialisten AGROB BUCHTAL gehalten. An der Ecke Brooklyn und St. Mark’s Avenue umrahmen rote und grüne Keramikwände den Museumseingang.
Das Gelb, Rot und Grün hebt sich von der urbanen Landschaft Brooklyns ab und betont die besondere Zielgruppe des Museums: Kinder, die das Museum zum Entdecken, Spielen und Lernen besuchen. Es ist üblich, Architektur für Kinder farbenfroh zu gestalten; das hatte Viñoly richtig erkannt. Dabei ist das Children’s Museum kein Sonderfall im Kontext seiner Arbeiten, die durch ausgefallene Kühnheit bestechen. So wurden viele Projekte von Viñoly durch ihre Form und die Verwendung markanter Farben zu echten Hinguckern. So gesehen ist eine eindeutige Kontinuität erkennbar zwischen seinen ersten Projekten für die Bank of the City of Buenos Aires, die er in seinen Zwanzigern in den späten 1960er Jahren in Argentinien konzipierte, dem Children’s Museum und seinen neueren Arbeiten, wie dem kontroversen Walkie-Talkie-Hochhaus in der Innenstadt von London mit seiner konkaven Fassade und dem superschlanken Wohnturm in 432 Park Avenue von Manhattan.
Fast jedes Gebäude von Viñoly ging neue Wege. Dies gilt auch für das Children’s Museum, das sich von all seinen anderen Konzeptionen abhebt. Auch wenn es paradox erscheinen mag: Durch diese Einzigartigkeit wird das Museum in Brooklyn zu einem typischen Viñoly. Und das fortwährend unveränderte Bestehen ist der Beweis für die Stabilität und Widerstandskraft seiner keramischen Fassade: ein Versprechen, dass das Children’s Museum für immer jung bleibt.